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Beim Annafest geht Frau Liebe auf Patrouille 20.07.2017 08:00 Uhr

Jugendamt kontrolliert mit Polizei auf dem Annafest


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Manche Wochenenden und Nächte verbringt Nicole Liebe mit der Polizei. Dann ist die Mitarbeiterin im Allgemeinen Sozialdienst des Jugendamtes im Landkreis unterwegs, um über das Jugendschutzgesetz zu wachen. Auch während des Annafestes geht sie mit Beamten wieder auf Patrouille.

Polizeibeamte in Zivil kontrollieren Rucksäcke von Jugendlichen auf dem Annafestgelände. © Ralf Rödel

Es ist nachts. Ein 14-Jähriger hat zu tief ins Glas geschaut und das vor allem illegal. Das Ergebnis: Über 2,1 Promille. In seinem berauschten Zustand legt sich der Jugendliche zum Schlafen auf die Straße. Bevor Schlimmeres passieren kann, entdecken Beamte der Polizei den Jungen.

Es sind zwar Ausnahmen, die Liebe den Räten im Jugendhilfeausschuss des Landkreises schildert, dennoch beschreibt es ihr Aufgabengebiet, das sich ordnungsrechtlicher Jugendschutz nennt.

Das Annafest genießt Liebe nicht nur privat. An drei bis vier Abenden ist sie zusammen mit Beamten der Polizei Forchheim auf dem Festgelände unterwegs, mit Blick auf Minderjährige, die noch keinen Alkohol trinken dürfen, oder 16- und 17-Jährige, die sich mit dem legalen Bier nicht begnügen und zu Härterem greifen. Außerdem achtet sie auf die Einhaltung des Jugendschutzes und spricht mit Veranstaltern.

In den letzten Zügen: Annafest 2017 putzt sich raus

Nur noch wenige Tage, dann startet das 177. Annafest im Kellerwalde zu Forchheim. Darum herrscht in und an den Buden, Fahrgeschäften, Bierkellern und Bars auch Hochbetrieb: Überall wird geschraubt, aufgebaut und geprüft.

Über das Jahr verteilt führt sie diese Aufgabe in den ganzen Landkreis. Zusammen mit den Polizeidienststellen Ebermannstadt und Forchheim kontrolliert sie jeweils drei bis viermal im Jahr eine Kerwa oder Vereinsveranstaltung. Unterwegs ist sie dann in Zivil.

"Die Reaktionen der Veranstalter sind meist positiv", sagt Liebe. "Es gibt aber auch jene, die meinen, noch nie etwas von Jugendschutz gehört zu haben." Manchmal scheitere es an einer funktionierenden Eingangskontrolle bei Festzelten oder daran, den Barbereich wie vorgeschrieben gesondert abzutrennen. Bei manchen Festen käme den Kontrolleuren dann schon mal ein 14-Jähriger mit dem Wodka-Tablett entgegen.

Bußgeld kann drohen

Manchmal reiche ein Gespräch, um auf Missstände aufmerksam zu machen. Bei schwerwiegenden Verstößen fällt schon mal eine Ermahnung oder ein Bußgeld an. "Unser Ziel ist es jedoch, aufzuklären und zu beraten."

Seit 2012 arbeitet Liebe im Rahmen ihrer Vollzeitstelle beim allgemeinen Sozialdienst an diesem Thema. Fünf Stunden in der Woche sind dafür vorgesehen. Das reicht nicht für das große Programm. Veranstalter oder Gemeinden berät Liebe auch, bevor ein Fest stattfindet, doch das sind eher Einzelfälle. "Für eine offensivere Arbeit reicht die Zeit nicht."

Hinzu kommen Aufklärungsabende oder Fortbildungen über Alkohol und Drogen, die in den vergangenen Jahren auf gute Resonanz gestoßen seien. "Es ist gelungen, den Jugendschutz im Landkreis Forchheim punktuell anerkannt zu machen", lautet ihr Fazit, das sie den Kreisräten im Jugendhilfeausschuss des Landkreises vermittelte.

Nicht an allen Einsatztagen dreht Liebe dienstlich Runden auf dem Festgelände. Ihr Zuhause tauscht sie auch mit der Polizeidienststelle in Forchheim-Nord ein und führt ernste Gespräche mit den aufgegriffenen alkoholisierten Jugendlichen. Abhängig vom Pegel lasse sich über das Verhalten reden. "Meist positiv aufgenommen wird von den Eltern, dass sie ihre Schützlinge zwischen 16 und 18 Jahren bei der Dienststelle abholen müssen." Das hinterlässt für beide Seiten oft einen nachhaltigen Eindruck mit erzieherischer Wirkung.

Nicht nur Alkohol, sondern auch Zigaretten stehen auf der roten Liste von Liebe. Ob während des Annafestes oder an Treffpunkten im Landkreis: "Schwer in Griff" bekommt das Team Volljährige, die legale Drogen kaufen und an Jüngere weitergeben.

Der Trick mit den Farben

Bei Veranstaltungen helfen farblich markierte Bändchen, genau dies zu vermeiden. Auf den ersten Blick ist damit zu sehen, wer illegalerweise (zu starken) Alkohol trinkt. Dies klappe in der Realität aber nicht immer.

Nicht immer liegt es an einem zu sorglosen Umgang an den Einlasskontrollen, spricht CSU-Kreisrätin Kerstin Nestrojil aus Kirchehrenbach aus eigener Erfahrung. Gleichzeitig zu einer Veranstaltung in ihrer Gemeinde habe ein Fest in der Nachbarortschaft stattgefunden. Dort haben Minderjährige farbige Bändchen erhalten, die in Kirchehrenbach Volljährige trugen. Die Folge: In Kirchehrenbach wurden aus den Minderjährigen Erwachsene, die nicht nur bis weit nach Mitternacht feiern durften, sondern das auch mit Hochprozentigem.

Nestrojil regte deshalb an, sich in den Landkreisgemeinden auf einheitliche Farben zu einigen. Das nahm der Ausschuss ins Protokoll auf. Die Gemeinden sollen in einem Schreiben des Landratsamtes darauf hingewiesen werden.

Während der elf Annafesttage müssen sich Liebe und die Beamten auf ihre Intuition verlassen. Auf den Jugendschutz hingewiesen, werden die Festbesucher dieses Jahr nicht nur über den Flyer für das Musikprogramm, sondern auch über die Annafest-App. Je nach Schwere des Vergehens und des Alters der alkoholtrinkenden Minderjährigen drohen Bußgelder, sagt Liebe. "Diese sind vom Einkommen abhängig und beginnen ab mehreren hundert Euro und gehen bis in den vierstelligen Bereich." 

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