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Favela-Zeltstil setzt sich auf dem Annafest durch 27.07.2017 15:20 Uhr

Ein satirischer Gastbeitrag von Kabarettist Hubert Forscht


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G’scheit geärgert hat sich der Kabarettist Hubert Forscht, aufgewachsen in Forchheim-Nord, als er jüngst am ersten, damals noch heißen Annafest-Samstag auf den Kellern unter Plastikplanen saß. Und wie das so ist mit Satirikern: Sie münzen ihre Gemütslage gleich in etwas Produktives um. So kam dabei der folgende Gastbeitrag heraus, nicht ahnend, dass die Zelte und Planen im regnerischen Fortgang des Annafestes noch bitter nötig waren.

Auf dem Hofmanns-Keller entfernt ein Mitarbeiter Regenwasser, das sich auf dem Plastikdach gesammelt hat. Schön waren die Planen noch nie. Doch die Stadt konnte sich auch noch nicht zu neuen gestalterischen Vorschriften aufraffen. © Ralf Rödel

Grüße aus Aleppo!

Ich möchte jetzt endlich einmal eine Lanze für unsere Annafestwirte brechen, denn es wird ihnen bitteres Unrecht angetan. Sie werden der Geldgier und dergleichen bezichtigt, wegen des hohen Bierpreises und der aggressiven Werbung usw. usw. alles Quatsch, wirklich.

Niemand scheint das nun seit Jahren hervorragende soziale Engagement unserer Wirte wahrzunehmen, das heuer zu größter Blüte gediehen ist.
Ich meine die herrlichen Schutzzelte und Planen, die die Besucher des Annafestes vor dem Unbill unserer Natur schützen sollen. Dabei hat man sich – auch dies ist sehr löblich – von den Flüchtlingszelten in Aleppo oder den Favelas in Sao Paulo inspirieren lassen.

Unternehmen trotzen dem Regen: Der Firmentag auf dem Annafest

Am Mittwochnachmittag heißt es beim Annafest für die Forchheimer Firmen: Geschäft absperren und auf in den Kellerwald. Beim traditionellen Firmentag spielte das Wetter dieses Jahr zwar leider nicht mit, dennoch ließen sich viele Annafestgänger nicht von Regenschauern abhalten - der Firmentag in Bildern.

Diese Schutzzelte sehen teilweise total verranzt aus, wie sie in einem ordentlichen Ghetto eben aussehen. Nein, wir sind keine arroganten, reichen, verwöhnten Deutschen soll das heißen, wir sind uns nicht zu fein in stickigem, feucht-heißen Klima so eines Schutzzeltes dichtgedrängt zu sitzen, wo der verdampfte Schweiß an der Zeltdecke kondensiert und einzelne Tropfen einem ins Bier oder ins Genick tropfen. Asylsuchende und Flüchtlinge meinen, es würde ihnen so ein Stück Heimat vermittelt, wieder andere werden von Sozialarbeitern dorthin begleitet um eine Traumabearbeitung vorzunehmen.

Luftige Höhen und wilde Überschläge: Fahrgeschäfte auf dem Annafest

Für die einen ist es das Größte, sich schnell um die eigene Achse zu drehen, in die Höhe zu schnellen und umher gewirbelt zu werden - anderen dreht sich beim Gedanken daran schon der Magen um. Die Rede ist natürlich von Fahrgeschäften. Auch auf dem Annafest kommen Looping-Fans und Höhenflieger auf ihre Kosten.

Bei allen Ghetto- und Favelafreunden findet die Initiative riesigen Applaus. Besonders der Eichhornkeller hat sich in hervorragender Weise zu einem Eldorado des Favelazeltbaustils entwickelt. Den Betreibern könnte man als Tipp mitgeben, doch Öttinger-Bier auszuschenken, ein Bier, das in den privaten Ganzjahresbierzelten in meiner Heimat Forchheim-Nord sehr erprobt ist und sich für das Ambiente am Eichhornkeller wunderbar eignen würde.

Das gute heimische Produkt dagegen könnte man weiterhin am Blümlein-Keller anbieten, da man ja dort auch den heimischen klimatischen Bedingungen offen ausgeliefert ist.
Einige Wirte schützen ihre Gäste durch riesige, dunkelgrüne Sonnenschirme, die auch bei Tag für gemütliche Dämmerung sorgen und nicht nur den Regen, sondern auch die einzelnen, sich durch das Blätterdach hindurchkämpfenden UV-gefährlichen Sonnenstrahlen abhalten.

Übrigens kann man mit Berechtigungsausweis bei den Favelakellnern einen ordentlichen Getränke-Rabatt erhalten, man muss nur fragen. Leider haben sich nicht alle Wirte dieser Initiative angeschlossen, es gibt immer noch einige Egomanen, denen die Gesundheit und das Wohl ihrer Gäste wurscht ist und die uns der schrecklichen klimawendischen Natur aussetzen und ich sage nur eines, hüten wir uns vor Erlanger Verhältnissen, denn auf der Bergkirchweih sind Favelazelte verboten. 

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