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Forchheim: Annafest 2018 sorgt für leichte Misstöne 07.06.2018 06:00 Uhr

Traditionsband bleibt dem Kellerwald-Treiben nach 25 Jahren fern


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Für Annafest-Musik-Traditionalisten dürfte es eine nicht gerade erfreuliche Nachricht sein: Obwohl das Musikprogramm noch gar nicht endgültig feststeht, wird eine Gruppe nicht (mehr) dabei sein: die Keller Mountain Blues Band. Derweil muss der Kirchenchor St. Anna wegen des geplanten Freiluft-Gottesdienstes seinen Auftritt verschieben.

Die Keller Mountain Blues Band (hier bei einem Auftritt im Jungen Theater) bleibt 2018 der Kellerwald-Sause fern. © Udo Güldner

„Wir hätten freilich gern wieder auf dem Annafest gespielt“, erklärt Thomas Langguth, Mitglied der zwölfköpfigen Rhythm ’n’ Blues-Combo – seit 1985 weit über die Grenzen des Landkreises Forchheim hinaus eine Institution in Sachen R&B, Soul und Funk. 25 Jahre lang gehörte die Keller Mountain Blues Band (KMBB) auf dem Annafest zu den gesetzten Musik-Urgesteinen – am ersten Festsamstag auf dem Schlößa-Keller, am Donnerstag auf dem Musikpodium am Winterbauer. Doch damit ist 2018 Schluss.

„Auf dem Schlößla-Keller setzt man jetzt offenbar auf ein anderes Musik-Konzept“, sagt Langguth. Was „ein anderes Musik-Konzept“ heißt? „Naja, halt eins ohne uns“, erwidert der KMBB-Gitarrist ironisch.

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Erster Missmut kam schon 2017 auf, als der damalige Schlößla-Chef Uwe Koschyk die Blues-Truppe ihren samstäglichen Stammplatz auf den darauffolgenden Sonntag verlegte. „Seit wir dort spielen“, erzählt Langguth, „hat sich jedes Jahr eine Gruppe von Fans aus Amerika einen Platz vor der Bühne am Samstag reserviert“. Er vermute, dass die Amerikaner letztes Jahr am Samstag „wahrscheinlich blöd geguckt haben, weil wir erst sonntags gespielt haben.“

Und im Programm von Koschyks Nachfolgerin, der neuen Schlößla-Wirtin Alina Bajric, sei die KMBB gar nicht mehr aufgetaucht“, so Langguth.

Nur ein Missverständnis?

Alina Bajric sieht die Sache anders: Dass die KMBB heuer nicht auf ihrem Keller spielt, habe „keinen bösen Hintergrund“, sagt die Wirtin. Man wollte auch absolut nicht mit einer Tradition brechen. Als Bajric den Keller Ende März von Koschyk übernahm, „sind wir aufgrund der Kürze der Zeit gleich auf Band-Suche fürs Annafest gegangen, wurden schnell fündig und haben einer Gruppe zugesagt.“ Denn: „Uns war nicht bekannt, dass die Keller Mountain Blues Band früher immer samstags aufgetreten ist, wir hatten nur die Liste von 2017.“

Erst nach der Zusage für die Gruppe X-Large, die jetzt am ersten Festsamstag auf dem Schlößla spielt, habe die Blues-Band bei ihr angerufen. „Deshalb musste ich leider absagen.“ An einem Engagement für den darauffolgenden Sonntag wäre die Band ohnehin nicht mehr interessiert gewesen, so Bajric.

Sollte es sich auf dem Schlößla-Keller nur um ein unglückliches Missverständnis beziehungsweise fehlende Infos gehandelt haben, so fällt die Sache beim zweiten Stammplatz der KMBB auf den Unteren Kellern eindeutiger aus: Die Kosten sind der Grund, weshalb die R&B-Formation 2018 auch dem Winterbauer-Podium fern bleibt. „Wir waren den Wirten dort 500 Euro zu teuer“, sagt Thomas Langguth. „Es ist eben eine wirtschaftliche Geschichte, bei der jeder schauen muss, wo er bleibt.“

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Fünf Keller teilen sich dieses Musikpodium zum Annafest offiziell: Rappen, Fässla, Schaufel, Kaiser und Winterbauer. Welche Bands dort auftreten, das entscheidet Christoph Kauer, Chef mehrerer Keller im Kellerwald. „Letzten Endes sind wir als Wirte immer die, die die Zeche zahlen“, sagt der Forchheimer Gastronom, dem auch das „Stadtlockal“ und der „Mauerscheisser“ gehören. In den vergangenen Jahren hätten sich die Kosten für die Wirte enorm erhöht, so Kauer. Ob Schankplatzgebühren oder neue Sicherheitsmaßnahmen und -personal: die Pflichtausgaben steigen.

„Darum müssen wir auch wirtschaftlich entscheiden und im Zweifelsfall für eine Band, die günstiger auftritt“, sagt Kauer – und fügt hinzu: „Man kann es am Ende nicht jedem Recht machen.“

Ebenfalls nicht jedem Recht ist es in Kirchengemeinde St. Anna, dass der traditionelle Fest-Gottesdienst am ersten Annafest-Sonntag in diesem Jahr nicht in der Kirche selbst, sondern im Kellerwald stattfinden soll. „Wir haben eine Umfrage unter unseren Gemeindemitgliedern gemacht, was sie von der Idee halten“, erzählt Pastoralreferent Georg Zametzer. „Da waren die Meinungen insgesamt eher gespalten.“ Ein Hauptargument der Kellerwald-Gottesdienst-Kritiker: ein kirchliches Patronatsfest könne man nicht auf dem Annafest-Gelände feiern.

"Uns würde keiner hören"

Gewisse Irritation gibt es deswegen auch im Kirchenchor von St. Anna, der üblicherweise am ersten Fest-Sonntag in der Kirche am Fuße des Kellerwaldes auftritt

Diese Tradition muss bei einem Freiluft-Gottesdienst wegfallen – „uns würde da ja gar keiner hören“, sagt ein Chor-Mitglied. „Wir müssen uns halt jetzt dieser Entscheidung fügen.“ Musikalisch gestaltet wird die Messe auf dem Fest-Gelände stattdessen vom Spielmannszug Jahn, wie Regionaldekan Martin Emge auf NN-Nachfrage bestätigt.

Seinen Auftritt in der Kirche soll der Chor nach Aussage eines Mitgliedes aber doch noch bekommen, er wird nur um eine Woche verschoben, auf Sonntag, den 29. Juli. 

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