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Corona: Aus für das Annafest 2020 in Forchheim? 15.04.2020 18:04 Uhr

Laut Söder soll es bis Ende August keine Großveranstaltungen geben


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Das Annafest 2020 in Forchheim ist in Gefahr. Wie Ministerpräsident Markus Söder am Mittwoch mitgeteilt hat, soll es bis zum 31. August keine Großveranstaltungen in Deutschland geben. Was das bedeuten würde, erklärt Forchheims OB Uwe Kirschstein. Es wäre nicht der erste Ausfall des Volksfestes in seiner Geschichte.

Das Annafest 2019: 400 000 bis 450 000 Menschen kamen in den Kellerwald um zu feiern. Die Corona-Krise in diesem Jahr könnte der Großveranstaltung einen Strich durch die Rechnung machen. © Foto: Edgar Pfrogner

Ein definitives Aus für das Annafest will Forchheims Oberbürgermeister Uwe Kirschstein am Mittwochabend noch nicht bestätigen. Donnerstagvormittag treffe sich der Krisenstab der Verwaltung, bis dahin erhoffe man sich genauere Angaben der Staatsregierung, was mit Großveranstaltung gemeint ist.

Natürlich habe man sich im Vorfeld bereits Gedanken gemacht, was wäre wenn das Annafest ausfalle oder verschoben werden müsste. Das Verschieben sehe er nicht als eine Option, so Kirschstein. Die Schausteller hätten wahrscheinlich keine beliebigen Zeitfenster im Jahresverlauf zur Verfügung.

 Wenn das Annafest ausfallen müsse, dann erhoffe er sich eine Ausfallentschädigung des Staates für die Schausteller und Wirte, sagt Forchheims Oberbürgermeister. "Schließlich sind die Volksfeste ein wesentlicher Bestandteil der bayerischen Festkultur."


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Ein Aus für das Forchheimer Annafest fände Uwe Kirschstein persönlich sehr schade, es gebe durch die Corona-Krise ein große Sehnsucht nach Geselligkeit, die er gut nachvollziehen könne. "Das Annafest ist ein großes Identifikationsmerkmal für die Stadt, es steht für Forchheim."

2019 waren zwischen 400.000 und 450.000 Besucher in den Forchheimer Kellerwald zum Annafest geströmt. Schausteller und Stadt waren hochzufrieden mit der Bilanz. 

In der Geschichte des Annafestes gab es seit dessen Anfängen 1840 bereits mehrfach Absagen der Feierlichkeiten.

Davon weiß Stadtarchivar Rainer Kestler zu berichten. Eine längere Pause brachte der Erste Weltkrieg, dessen Beginn am 1. August 1914 mitten hinein platzte in die Forchheimer Feuchtfröhlichkeit. Das Volksfest auf den Kellern begann erst wieder 1921, nachdem die revolutionären Umstürze 1918/19 auch in Forchheim mit brutaler Gewalt niedergeschlagen worden waren. Zudem hatten die Spanische Grippe, Hungerkatastrophen und eine galoppierende Hyperinflation die Bevölkerung in Atem gehalten.

Im Zweiten Weltkrieg

Ähnlich erging es eine Generation später. Kurz bevor der Zweite Weltkrieg am 1. September 1939 mit dem Einmarsch in Polen aufzulodern begann, konnte man ein letztes Mal das Klirren der Maßkrüge beim Prosit hören. Es dauerte bis in den Sommer 1946, da war das Gemetzel schon über ein Jahr vorüber, bis wieder auf dem Annafest gefeiert werden konnte – unter Beobachtung der US-Besatzungsbehörden. Zuvor hatte die desolate Versorgungslage nicht ans Feiern denken lassen. So richtig los ging es aber erst 1948, nachdem im Juni bei der Währungsreform die D-Mark die marode Reichsmark abgelöst hatte.

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Dass Kriege den Bierausschank stören, dürfte auch 1866 so gewesen sein. An der Seite Österreichs kämpfte Bayern zwischen Juni und August gegen Preußen und dessen Verbündete. Dass es dem Annafest ähnlich erging wie dem Oktoberfest, das kurzfristig abgesagt wurde, lässt sich daran ersehen, dass im "Amtsblatt für die Königlichen Bezirksämter Forchheim und Ebermannstadt sowie für die Königliche Stadt Forchheim" keinerlei Ankündigung zu finden ist. In München übrigens trug nicht nur die militärische Niederlage, sondern auch eine um sich greifende "asiatische Cholera" dazu bei, dass die Theresienwiese leer blieb. Auch hatte man den Fest-Etat für verwundete Soldaten verwendet und kein Geld mehr übrig.

Abbruch des Annafests

Am 29. Juli 1902 spielte sich auf den Unteren Kellern ein blutiges Eifersuchtsdrama ab. Weil ein Mann seine seit Jahren vom ihm getrennt lebende Frau verdächtigte, eine Liebschaft mit einem anderen zu haben, griff er zum Taschenmesser. Damit stach er ihr mehrfach in den Hals und traf dabei die Schlagader. Ihre drei kleinen Kinder mussten mitansehen, wie ihre Mutter elend verblutete. Daran konnte auch die herbeigeeilte Sanitätsmannschaft nichts ändern.

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Der Täter konnte in seinem Elternhaus in Forchheim ergriffen werden. Er sei als roher Mensch bekannt gewesen, schreibt das "Forchheimer Tagblatt" und bringt sein "freches Benehmen" in Zusammenhang damit, dass er aus der Katholischen Kirche ausgetreten sei. Hernach hatte man keine große Lust mehr auf unbeschwertes Feiern. Ganz anders endete es rund ein Jahrhundert später.

An das letzte Drama im Jahre 2005 dürften sich viele NN-Leser noch erinnern. Damals brachen während schwerer Gewitter und orkanartiger Böen Äste herab und stürzten auf Besucher. Ein 43-jähriger Mann aus Rheinland-Pfalz wurde dabei auf dem Gottla-Keller tödlich getroffen. Ein damals 15-jähriges Mädchen aus Effeltrich erlitt schwerste Verletzungen und ist seither auf den Rollstuhl angewiesen. Zudem gab es weitere vier Schwer- und 15 Leichtverletzte. Nach einer Schrecksekunde ging es – in gedämpfter Stimmung – weiter mit dem Volksfest unter freiem Himmel.

Neuer Termin fürs Annafest

Es gab nicht viele Veranstaltungen, die es schafften, dass ihretwegen das Annafest nicht rund um den Namenstag der Heiligen Anna (26. Juli) stattfand. Bislang gelang dies nur der Reichstagswahl am 31. Juli 1932, bei der die NSDAP stärkste Kraft wurde. In Bezirk Forchheim hatte man Bedenken, ob der Wahlkampf nicht zu wörtlich genommen würde und Krawalle auf den Kellern zu befürchten wären.


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Das "Superwahljahr", in dem auch der Reichspräsident im März/April, sowie der Bayerische Landtag im April gewählt worden waren, hatte andernorts zu Straßenschlachten zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten mit Toten und Verletzten geführt. Beide Gruppierungen gab es auch an der Regnitz. Einen "Altonaer Blutsonntag" galt es in Bayern zu vermeiden. Versammlungen unter freiem Himmel wurden Mitte Juli deshalb verboten. Das Annafest startete erst im August.

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Was heute der Fußball ist war 1912 das Singen, ein Massenphänomen – und noch dazu ein national aufgeladenes. Als das 8. Deutsche Sängerbundes-Fest Ende Juli nach Nürnberg kam, strömten 37 000 stimmgewaltige Gäste in den Luitpoldhain, mehr als doppelt so viele wie erwartet.

Die eigens errichtete Halle fasste die Männer kaum. Dies vorhersehend hatte man das Annafest in den Juni vorverlegt. Schließlich gab es in der Region zahllose Chöre, die sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen wollten. Nur dass dadurch das Wetter alles andere als mitspielte und die Umsätze im Kellerwald weit hinter den Erwartungen blieben.

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