verabreden

Annafest-Führung gibt tiefe Kellerwald-Einblicke 25.07.2017 17:28 Uhr

Unterhaltsam und interessant: Jürgen Zöbelein zur Geschichte des Volksfestes


Teile diesen Artikel mit deinen Freunden

Es ist nicht gerade Festwetter als Jürgen Zöbelein am Fuße des Kellerwaldes zur Annafest-Führung bittet. Übersichtlich ist die Zahl jener, die sich vom städtischen Gästeführer an einem gräulich-regnerischen Nachmittag in die Geheimnisse des Forchheimer Volksfestes einweihen lassen.

Fest-Führer Jürgen Zöbelein (Mitte) und seine Gäste aus dem Sauerland lassen sich von Michael Drliczek (links) die Geschichte des Annafest-Riesenrades erzählen. © Philipp Rothenbacher

Die erste Frage der drei Annafest-Besucher aus dem Sauerland, die ihren Urlaub in Bamberg gerade mit einem Trip nach Forchheim krönen: „Was bedeutet dieses Alla Dooch?“. Jürgen Zöbelein muss lächeln. „Das bedeutet Alle Tage — also sozusagen die Grundmotivation eines jeden Annafest-Gängers“, so der Gästeführer.

Dann wartet er mit einigen Superlativen für die Touristen aus NRW auf: Von Oberfranken als „Land der größten Brauereidichte mit 202 Brauereien“, über das Annafest, das „in seiner Form als Freiluft-Volksfest im Wald mit rund 30.000 Sitzplätzen weltweit einzigartig ist“, bis hin zu den großen Erfindungen der Oberfranken. Die Jeans-Hose des gebürtigen Buttenheimers Levi Strauss erwähnt Zöbelein dabei ebenso wie die Kühlmaschinen, die eine Lagerung der Bierfässer im Kellerwald obsolet machten – entwickelt von Carl von Linde aus dem Kreis Kulmbach. Oder auch die Erfindung der Wiener Würstchen von Metzgermeister Johann Georg Lahner aus Gasseldorf. „Ich will Sie jetzt ja nicht langweilen“, spricht der Gästeführer mit ironischem Stolz, „aber wir Oberfranken sind ein findiges Völkchen.“ Die Sauerländer quittieren diesen Anflug von Lokalpatriotismus mit einem herzlichen Lachen.

Luftige Höhen und wilde Überschläge: Fahrgeschäfte auf dem Annafest

Für die einen ist es das Größte, sich schnell um die eigene Achse zu drehen, in die Höhe zu schnellen und umher gewirbelt zu werden - anderen dreht sich beim Gedanken daran schon der Magen um. Die Rede ist natürlich von Fahrgeschäften. Auch auf dem Annafest kommen Looping-Fans und Höhenflieger auf ihre Kosten.

Unausweichlich auch die Ursprungsgeschichte des Annafestes, die Zöbelein im Schnelldurchgang erzählt – sprich als Dreiklang aus dem Namenstag der heiligen Anna (26. Juli), der Wallfahrt nach Unterweilersbach mit Pilgerrast an den Bierkellern (1516) und dem ersten Sommerpreis-Schießen des Forchheimer Schützenvereins im Kellerwald (1840).

Einst, so erwähnt Zöbelein, habe die Gesamtlänge aller Bierkeller-Gänge, die in den Fels gehauen wurden, an die vier Kilometer betragen. „Weil es hier im Kellerwald eine rund 16 Meter dicke, besonders weiche Sandsteinschicht gibt, die sich besonders gut behauen lässt.“

Weil es sich um eine kompakte Truppe handelt, bekommt das dreiköpfige Gäste-Team nicht nur Einblick in die Schaltzentrale der Festleitung, sie dürfen sich zudem als Höhlenforscher testen: Zöbelein führt seine Schützlinge in die dunklen, feuchten Tiefen des Winterbauerkellers, die NRWler staunen über diesen ebenso bierseligen wie gespenstischen Ort. Weiter geht es an einige Traditionsbuden und Fahrgeschäfte, die zum Annafest gehören wie das Bier ins Seidla: Vorbei am Karussell von Joachim Ulrich, der seinen Strom noch wie vor Generationen selbst erzeugt – mittels Eisenstäben, die ins Salzwasser gelassen werden.

Oder am Riesenrad von Michael Drliczek, ohne das ein Annafest gar nicht mehr vorstellbar wäre. Hoch zu den oberen Kellern nimmt die kleine Reisegruppe die „Lützelberger Kurve“ – wo früher Bobbycars an den Buden und Schiffschaukeln der Familie Lützelberger vorbeisausten. Und schließlich zum Schützenkeller – wo vor 177 Jahren alles begann.


Die letzte Annafest-Führung findet am Freitag, 15 Uhr, Treffpunkt unterer Kellerwald-Eingang bei der Festleitung, statt und kostet vier Euro.

Alles rund ums Annafest sowie unseren Live-Ticker finden Sie auf www.annafest-forchheim.de 

Weitere Meldungen