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Sicheres Annafest: "Bitte mal die Tasche öffnen" 22.07.2018 20:00 Uhr

Nürnberger Sicherheitsdienst kontrolliert


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Seit drei Jahren werden auch auf öffentlichen Veranstaltungen die Taschen und Rucksäcke der Besucher kontrolliert. Die Ereignisse der letzten Jahre sind Grund für die verstärkte Durchsuchung. Am Annafest in Forchheim muss man sich darauf auch einstellen. Jedoch läuft es hier recht zivilisiert ab.

Rucksäcke und Handtaschen werden an den Eingängen zum Annafest in Stichproben kontrolliert. Die Besucher nehmen’s gelassen. © Foto: Nina Eichenmüller

Vor zwei Jahren erreichte der Terror nach Paris und Brüssel auch Franken. Nach den Geschehnissen in Würzburg und Ansbach werden Gäste bei Volksfesten immer strengeren Taschenkontrollen unterzogen. Das Annafest in Forchheim ist mit circa 500 000 Besuchern das größte Volksfest in der Region. Viele Menschen sind verteilt auf engem Raum. Es ist laut, es fließt Alkohol und zwischen den Kellern stauen sich die Feierwütigen.

Damit den Gästen höchstmögliche Sicherheit geboten werden kann, werden auf dem Forchheimer Volksfest vor dem Einlass alle Taschen und Rucksäcke nach gefährlichen Gegenständen abgesucht.

Annafest-Umzug schlängelt sich im Regen durch Forchheim

Echte Annafest-Fans lassen sich vom regen nicht abschrecken. So säumten auch dieses Jahr wieder zahlreiche Zuschauer beim Annafest-Umzug die Straßen.

Messer, Taschenmesser, Pfefferspray und Glasflaschen finden die Security-Leute vom SDN Sicherheitsdienst Nürnberg in den Taschen der Besucher. Lars Müller ist der Inhaber des Sicherheitsdienstes, der dieses Jahr mit 40 seiner Mitarbeiter für die Kontrollen am Annafest zuständig ist.

Stichprobenartige Kontrollen

"Erfreulicherweise merken wir im Sicherheitsbereich keinen Anstieg von Kriminalität in den letzten Jahren. Wir merken aber, dass sich die Besucher mit unseren Kontrollen sicherer fühlen und die Bevölkerung teilweise Kontrollen verlangt", so Lars Müller. Das Durchsuchen der Taschen und Rucksäcke wird stichprobenartig durchgeführt. "Wir gehen dabei ohne Vorurteile vor. Bei uns gilt das Gleichheitsprinzip, deswegen spielt auch die Nationalität bei den Kontrollen keine Rolle. Wir kontrollieren den Anzugträger oder VIP genauso wie einen stark betrunkenen Gast", erklärt der Leiter des Sicherheitsdienstes.

Annafest-Auftakt: Besucher feiern ausgelassen auf dem Kellerberg

Nach dem Bieranstich am Freitagabend ging es auf dem Annafest erst so richtig los. Die Hampelshouseband heizte den Besuchern ein, das Bier floss reichlich und die Forchheimer starteten gut gelaunt ins erste Festwochenende.

"Bitte mal die Tasche öffnen", ein kurzer Blick in die Handtasche und dann werden die meisten Besucher mit einem Okay weitergewinkt. Finden die Securities verbotene Gegenstände in der Tasche oder harte Drogen ist innerhalb von ein paar Minuten die Polizei vor Ort. Alle weiteren verbotenen Sachen werden laut Müller entweder gleich entsorgt oder gesammelt und der Polizei übergeben. Für den Ernstfall gibt es einen Krisennotfallplan, bei dem alle wissen was zu tun ist. "Den mussten wir zum Glück noch nie anwenden", so der Leiter des Sicherheitsdienstes.

Die Gäste des Annafests reagieren entspannt auf die Kontrollen und öffnen teils schon unaufgefordert ihre Taschen. "Ich finde es in Ordnung, denn es dient ja der Sicherheit. Außerdem werfen die nur einen kurzen Blick rein und das stört mich nicht", äußert sich eine Besucherin des Annafests.

Freundlichkeit gegenüber den Gästen sei der Schlüssel für einen reibungslosen Ablauf mit den Besuchern, erzählen die Securities. Gestört fühlt sich von den Kontrollen am Eingang kaum jemand. Ungewohnt ist es dennoch für die Leute. Selbst wenn nichts zu befürchten ist, merkt man manchen eine Anspannung an. Sobald die Gäste durchgekommen sind, wird die Kontrolle mit Sprüchen wie "na klar, ein kleines Minigewehr habe ich in meiner Tasche" oder "da würde meine Kalaschnikow eh nicht reinpassen" kommentiert.

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Wo es geht und man auf große Taschen und Rucksäcke verzichten kann, sollte man das tun, um langen Kontrollen aus dem Weg zu gehen. "Ich rate auch oft Familien, die Kinderwägen zu Hause zu lassen, da es oft eng wird und es dann für die Kinder im Wagen zu gefährlich ist", so Lars Müller. Eine hundertprozentige Sicherheit kann der SDN Sicherheitsdienst dem Annafest nicht bieten. Ein geschulter Blick und Stichprobenkontrollen am Eingang sorgen dennoch für einen entspannten Ablauf von elf Tagen Annafest. 

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